Nächster Vortrag:

Prof. Dr. Markus Köster

„Der Friedensreiter“ von 1918 – Westfalens ältester Spielfilm zwischen Kriegspropaganda und Friedenssehnsucht

Unmittelbar vor und nach Ende des Ersten Weltkriegs entstand im Münsterland und in Berlin ein Film, der als Westfalens ältester Spielfilm und einer der ersten deutschen Historienfilme überhaupt gelten kann. Der einstündige Stummfilm mit hochkarätiger Besetzung entführt die Zuschauer in die Endphase des Dreißigjährigen Krieges. Konkret schildert er die Bemühungen um einen Friedensschluss zwischen den Niederlanden und Spanien. Eine vom französischen Kardinal Mazarin entsandte Agentin versucht, die Teilnahme des niederländischen Gesandten Adriaan Pauw an den Verhandlungen zu sabotieren. Die titelgebende Sagengestalt des Friedensreiters greift daraufhin mehrfach schicksalhaft in das Geschehen ein und wird so zur personifizierten Hoffnung auf Frieden. Aus heutiger Sicht präsentiert sich der Streifen als eine eher krude Mischung aus Kriegsepos, Agententhriller und Sagenerzählung mit allen Merkmalen eines Melodrams, vor allem aber mit eindeutig antifranzösischer Tendenz.

Gedreht wurde überwiegend in Münster und dem Münsterland, u.a. auf Burg Gemen und Burg Hülshoff, auf dem Kirchplatz von St. Josef in Kinderhaus sowie an der heute längst abgerissenen Coermühle an der Aa, aber auch in der münsterschen Innenstadt. Die vorgesehenen Szenen auf dem Prinzipalmarkt und im Friedenssaal fielen hingegen den Unruhen der Novemberrevolution zum Opfer und wurden schließlich in einem Berliner Studio nachgedreht.

Der Vortrag zeigt Ausschnitte, beleuchtet Entstehungshintergründe, Handlung sowie Rezeption des Films und analysiert insbesondere politische Zielsetzungen und Botschaften, die er transportieren sollte. Dazu nimmt er sowohl das politische Klima an der „Heimatfront“ am Ausgang des Ersten Weltkriegs in den Blick als auch die Rezeptionsgeschichte des „Westfälischen Friedens“.

Eine im vergangenen Jahr in Norwegen wiederentdeckte viragierte, das heißt in wechselnden Farbtönen eingefärbte Kinokopie des Films bietet die Chance, auch visuell in dieses komplexe Zeitdokument einzutauchen.

Der Vortrag beginnt am 16.11.2026 um 19.00 Uhr im Plenarsaal des Landeshauses, Freiherr-vom-Stein-Platz 1, 48147 Münster

Der Eintritt ist frei!

Das komplette Programm sehen Sie hier und hier können Sie den Vortragsflyer herunterladen.

Das Kamerateam bei den Dreharbeiten im August 1918 auf Burg Gemen (Setfoto/Stadtarchiv Münster, Nachlass Schulte, Nr. 001, beschnitten)

Der Friedensreiter (Werner Krauß) (Filmstill/Norwegische Nationalbibliothek)

Werbeanzeige in der Münsterschen Zeitung, 27.5.1919